Ich bin nicht müde - Vom Zeitstress zum Unfall

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Ich bin nicht müde - Vom Zeitstress zum Unfall

Besonders jetzt in der Sommerzeit, da viele Familien mit gepackten Koffern frühmorgens ins Auto steigen und weite Reisen ins Warme auf sich nehmen, ist dieses Thema nicht unbedeutend: Sekundenschlaf.

Ob Familien auf dem Weg nach Italien, Langstreckenpendler oder Lkw-Fahrer, volle Aufmerksamkeit und Konzentration beim Autofahren ist unbedingt notwendig - und wird doch oft vernachlässigt. Wir wollen dem Problem Aufmerksamkeit schenken und erklären euch in diesem Beitrag, wie es zu Sekundenschlaf kommt, welche Auswirkungen dies haben kann und wie ihr ihn vorbeugen könnt.

Sekundenschlaf – Was genau ist das eigentlich?

Der Name ist Programm. Spricht man von Sekundenschlaf, sind mehr oder minder kurze Müdigkeitsattacken gemeint, bei denen der Betroffene einschläft. Dies kann für eine Sekunde oder aber eine halbe Minute geschehen, was die Gefahr jenseits des heimischen Sofas ziemlich erhöht.

Besonders gefährlich sind solche Müdigkeitsanfälle bei der Arbeit mit Maschinen oder im Straßenverkehr. Gerade auf der Autobahn häufen sich die durch Sekundenschlaf bedingten Unfälle. Ein kleines Beispiel: Ist man mit 120 km/h auf der Autobahn unterwegs und schlummert für fünf Sekunden ein, fährt das Auto 160 Meter mit einem blinden Fahrer – bei 30 Sekunden sind es schon fast ein ganzer Kilometer. Kein Wunder, dass schlimme Folgen daraus resultieren.

Deshalb kommt es erst so weit

Einer der wohl größten Faktoren solcher Unfälle ist die Selbstüberschätzung vieler Autofahrer und Arbeiter. „Ich bin nicht müde“ auszusprechen oder zu denken macht es leider nicht wahr. In den meisten Situationen ist es sogar verständlich, dass derjenige keine Pause einlegt und sich dennoch hinter das Steuer von Pkw, Lkw oder Gabelstapler setzt. Termindruck oder der Feierabendwunsch aufs heimische Bett können große Motivatoren sein, den anstrengenden Weg doch noch auf sich zu nehmen. Nichtsdestotrotz lauert hier eine große Gefahr, die nicht unterschätzt werden darf!

Alles, was uns langweilt, macht müde. Demnach sind sowieso schon unausgeruhte Personen auf eintönigen Wegen immens anfällig für die kurzen Nickerchen. Hier stechen vor allem Lkw Fahrer und Pendler aus den Statistiken hervor: Eine Umfrage des Bremer Selbsthilfevereins lässt darauf schließen, dass 43% der Lkw Fahrer bereits einmal im Sekundenschlaf am Steuer saßen.

Dazu kommt, dass lange Wachphasen oder ein generell verschobener Biorhythmus das Einschlafen fördern. Wer also sowieso wenig schläft und/oder zwischenzeitlich zu lange das eigene Bett nicht mehr gesehen hat, der ist prädestiniert für Sekundenschlaf. Generell stellen auch die folgenden Anhaltspunkte ein erhöhtes Risiko dar:

-         Ein BMI über 30 oder ein Halsumfang über 40cm, welche beide auf einen adipösen Körperbau hinweisen.

-         Extremes Schnarchen, da hier eine Problematik beim Atemvorgang vorliegt.

-         Ein Alter von mehr als 55 Jahren, einfach aus dem Grund, dass man schneller erschöpft sein kann.

-         Das Leiden unter Schlafapnoe. Hierbei handelt es sich um Atemaussetzer, die während der Nacht/des Schlafens eintreten.

Darum ist Sekundenschlaf so gefährlich

Vorweg eine kleine Statistik: Fast 25% aller Unfälle auf deutschen Autobahnen sind auf Sekundenschlaf zurückzuführen – also beinahe jeder vierte Unfall. Glücklicherweise sinkt der Anteil getöteter Unfallopfer seit 1997, was sicherlich mit der steigenden Sicherheit der Pkw zusammenhängt. Dafür steigt der Anteil Leichtverletzter und Schwerverletzter Opfer seit 2009 allerdings wieder an. So sterben zwar immer weniger Menschen an Sekundenschlaf, aber nicht, da sich das Problem im Ursprung geändert hat. Die Müdigkeitsattacken sind weiterhin ein Thema.

Ähnlich dem Prozentsatz zuvor, weist auch die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung vor, dass jeder vierte von 1.000 Befragten bereits einmal am Steuer eingeschlafen ist Diese Zahl ist nicht so dramatisch wie sie es im letzten Jahrhundert noch war – doch immer noch 25 Prozentpunkte zu hoch,

Das kannst Du tun

Im Grunde ist das Vermeiden von Sekundenschlaf ein gesunder Schlafrhythmus und die Fähigkeit sowie der Wille, auf seinen Körper zu hören und demnach zu handeln. Der ADAC hat einige Indizien herausgegeben, anhand derer man merken und entscheiden sollte, nun die Fahrt zu unterbrechen oder gar nicht erst in den Wagen zu steigen.

-         Du hast Probleme dabei, auf der Spur zu bleiben und fährst ungewollt ab und zu über den Seitenstreifen.

-         Die Straße fühlt sich immer enger an.

-         Dein Blick haftet starr auf der Fahrbahn, Du bekommst einen Tunnelblick.

-         Du kannst Dich an die letzten Kilometer nicht mehr erinnern. Du bist generell unkonzentriert und schreckst schnell hoch.

-         Du wirst vergesslich und übersiehst Straßenschilder, Ausfahrten oder Abzweigungen.

-         Du hast die Geschwindigkeit nicht mehr richtig unter Kontrolle, fährst ungewollt schneller oder langsamer als geplant.

-         Deine Augen brennen oder jucken, Deine Lider werden schwer. Deine Augen schließen sich unwillkürlich. Du blinzelst oder siehst unscharf.

-         Du musst häufig gähnen und kannst das Gähnen nicht mehr unterdrücken.

-         Du fühlst Dich innerlich unruhig und hast das Bedürfnis, Dich zu bewegen.

-         Dir wird kalt vor Müdigkeit.

Einige dieser Anzeichen magst Du vielleicht lesen und denken „Ist ja klar, so blöde bin ich auch nicht.“. Allerdings unterschätzt man in der Situation selber gerne mal den eigenen Zustand. Deshalb ist es wichtig, sich diese Punkte regelmäßig vor Augen zu halten und sich einzugestehen, wenn der Körper gerade einfach nicht mehr genug Energie hat.

Generell gilt: Ausreichend guter (also erholsamer) Schlaf ist die Grundvoraussetzung für das Fernhalten von Sekundenschlaf. Außerdem solltest Du bei einer langen Fahrt ausreichend Pausen einlegen, egal wie fix Du an Dein Ziel gelangen möchtest. Hier werden pro fünf Stunden Fahrt mindestens drei kleine Pausen von 15 Minuten Länge empfohlen – gerne aber mehr! Besonders wichtig zu beachten: Einfach im Auto sitzen bleiben bringt nichts. Steh auf, geh an die frische Luft und bewege Dich, damit Dein Kreislauf wieder in Schwung kommt.

Aufgrund unseres Biorhythmus ist unser Körper etwa zwischen 2 und 5 Uhr morgens auf Schlaf eingestellt. Hier solltest Du die Finger vom Autoschlüssel lassen. Sollte dies nicht zu vermeiden sein, achte bitte zuvor auf genügend Schlaf und werde vor dem Einsteigen richtig wach. Während der Fahrt solltest Du genügend frische Luft in Dein Auto lassen – egal, zu welcher Uhrzeit Du Dich fortbewegst.

Ein kleiner Wunschtraum zerstört: Kaffee und Co. bringen nichts in einem solchen Fall. Das Koffein wirkt nur beschränkt und ist in keinem Fall ausreichend, um Dich vor einer Müdigkeitsattacke aka Sekundenschlaf zu schützen.

 

Wie Du siehst, ist das Thema Sekundenschlaf kein Hexenwerk. Leider leben wir heute in einer Gesellschaft, in der man schnell von A nach B kommen muss und wo die eigene Gesundheit im Hinblick auf Prioritätensetzung hinter der Produktivität steht. Mit einem einfachen Blogbeitrag kann man dieses Denken nicht direkt wandeln. Allerdings ist es hilfreich, wenn Du Dir einfach mehr Gedanken zu diesem Thema machst und das nächste Mal vielleicht bewusster Auto fährst und auf Deinen Körper hörst. Wir hoffen, wir konnten Dir die Problematik ein wenig verdeutlichen und wünschen gute Fahrt und süße Träume – aber nicht hinterm Steuer!

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